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Medienbildung: Schul- oder Elternsache? Podiumsdiskussion von SAEK Leipzig und Verbraucherzentrale Sachsen

Wer ist in der Pflicht, wenn es um die Medienbildung von Kindern und Jugendlichen geht – Eltern oder Schule? Welche Verantwortung haben LehrerInnen, um Kinder an einen kritischen Umgang mit Smartphone-Apps heranzuführen? Und welche Pflichten kommen den Eltern zu?

Dies waren nur einige der Fragen, die am 14. Februar bei der Podiumsdiskussion „Medienbildung: Schul- oder Elternsache“ in der Christian-Gottlob-Frege-Schule diskutiert wurden. Anlass dafür war der Abschluss des Projektes „Spiele-App-Tester: Multimediale Spielerezensionen“ welches in einer Kooperation vom SAEK Leipzig und der Verbraucherzentrale Sachsen in zwei Leipziger Oberschulen durchgeführt wurde.

Andreas Eichhorst, Vorstandsvorsitzender der Verbraucherzentrale Sachsen, begrüßt die Gäste der Veranstaltung “Medienbildung: Schul- oder Elternsache?”

Nach einer Begrüßung durch Andreas Eichhorst, dem Vorstandsvorsitzenden der Verbraucherzentrale Sachsen, stellten zwei SchülerInnen der Christan-Gottlob-Frege-Schule das Projekt „Spiele-App-Tester: Multimediale Spielerezensionen“ vor. In einer viertägigen Projektwoche hatten 17 SchülerInnen der Schule verschiedene Spiele-Apps getestet und in Audio- und Videobeiträgen bewertet. Hierbei spielten nicht nur der Spaßfaktor oder die Grafik eine Rolle, auch kritische Aspekte wie Werbung, In-App-Käufe oder Altersberechtigungen wurden näher beleuchtet. Neben der Ergebnispräsentation vor den anwesenden Gästen gaben die beiden SchülerInnen auch einige Tipps, was beim Umgang mit Spiele-Apps zu beachten ist. Alle Infos zum Projekt sowie die entstandenen Beiträge sind online unter edmedien.de/spieletester zu finden.

Anschließend wurde das Podium von Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen (Referat Digitales) eröffnet. Sie begrüßte insgesamt fünf Gäste:

  • Martin Kuhrau, Leiter des Referats Digitalisierung und Medienbildung im Sächsischen Kultusministerium
  • Sabine Friedel, Abgeordnete des Sächsischen Landtags (SPD)
  • Robert Helbig, Geschäftsführer edmedien und Leiter des SAEK Leipzig
  • Florian Schaar, App-Entwickler
  • Frithjof Nürnberger, Medienpädagoge im Evangelischen Schulzentrum Leipzig

Die Gäste der Diskussion (v.l.n.r): Frithjof Nürnberger, Dr. Martin Kuhrau, Florian Schaar, Robert Helbig, Sabine Friedel und Moderatorin Stefanie Siegert

Bei der Frage, wer für Medienbildung zuständig ist waren sich alle schnell einig, dass sowohl die Schule als auch die Eltern in der Verantwortung stehen. „Allerdings müssen auch Pädagogen gestärkt werden, um mit digitalen Medien an Schulen zu arbeiten“ stellte Dr. Martin Kuhrau fest. Und dass Medienbildung auch SchülerInnensache sei: „Die Schüler selbst haben es in der Hand, wie sie miteinander umgehen“ so Kuhrau.

Frithjof Nürnberger, Medienpädagoge des evangelischen Schulzentrums in Leipzig, sprach danach über seinen Arbeitsalltag: „Ein fester Medienpädagoge an einer Schule ist toll, dieser muss aber auch am Ball bleiben und die Lehrer bei Ihrer Arbeit kontinuierlich unterstützen“. Nürnberger steht auch den Eltern immer beratend zur Seite. Seine Stellung als fester Medienpädagoge am Evangelischen Schulzentrum ist dabei eher ein Einzelfall. Sabine Friedel wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Thema Medienpädagogik künftig auch in der LeherInnenausbildung stärker verankert werden soll.

Sabine Friedel, Abgeordnete des Sächsichen Landtages (SPD) spricht über die Verankerung des Themas Medienbildung in der LehrerInnenausbildung

App-Entwickler Florian Schaar ist der Meinung, dass „man mit neuen Medien sehr viele schöne Dinge machen kann. Man muss aber auch erkennen und wissen, was Computer und Smartphones können und was nicht. Und wann dann dieser Einsatz sinnvoll ist“. Angesprochen auf die Verantwortung, die auch er als App-Entwickler habe, vor allem in Bezug auf In-App-Käufe oder Werbung in Kinder-Apps, sagte er, dass natürlich auch er Geld verdienen müsse. „Das geht entweder über kostenpflichtige Apps oder kostenfreie Apps mit In-App-Käufen.“ Er biete oftmals beide Varianten einer App an. „Zu 95 % wird aber die kostenfreie Variante gewählt“.  Zweifellos ist im Umgang mit Apps mehr Aufklärung für Eltern und Kinder notwendig. Denn ein einheitliches und anbieterübergreifendes System zur Altersfreigabe von Spiele-Apps existiert beispielsweise nicht.

Zum Abschluss der Diskussion stellte Robert Helbig fest, „dass sich in Sachsen derzeit einiges bewegt im Bereich Medienbildung. Es geht zwar nur Stück für Stück voran, aber es geht voran.“  Er bekräftigte auch noch einmal die Forderung, dass die geplante Landeskoordinierungsstelle Digitale Medienbildung endlich zu besetzen sei. Hier könnten alle Aktivitäten sinnvoll koordiniert werden. „Außerdem hat man dann auch einen festen Ansprechpartner für Schulen, Lehrer und Eltern“ so Robert Helbig.