feature

Inklusive Medienbildung als gesellschaftliche Herausforderung

Selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, ist nicht für alle Menschen eine Selbstverständlichkeit[1]. Denn besonders Menschen mit Behinderung haben oft einen eingeschränkten Zugang zu Medien[2]. Welche Wege gibt es nun, dieser Zielgruppe Medien zugänglicher zu machen, um damit den Medienkompetenzerwerb zu erleichtern? Denn der kompetente Umgang mit ihnen wird immer stärker zu einer Grundkompetenz für die Teilhabe an und die Ausgestaltung von einer demokratischen Gesellschaft[3].

Durch die aktive Medienarbeit lassen sich Handlungsspielräume eröffnen, um Menschen mit Behinderung neue Wege der Kommunikation und des kreativen Ausdrucks zu ermöglichen. Dadurch haben sie die Chance, sich selbst und die Themen ihrer Lebensrealität stärker als bisher in der öffentlich wahrnehmbaren Medienwelt zu verankern[4]. Mit Hilfe von Medien und deren aktiver Nutzung bekommen Menschen mit Behinderung die Option, partizipativ an der Gesellschaft und deren Prozessen teilhaben zu können. Nicht nur, dass mittels neuer Medien soziale Kontakte und Interaktionen auch über zeitliche und räumliche Barrieren hinweg gepflegt werden können, zudem haben Menschen mit Behinderung, die über Nutzungskompetenzen neuer Medien verfügen, oftmals höhere Chancen am Arbeitsmarkt.[5].

Inklusive Medienprojekte können vielfältig gestaltet sein. Sie können bereits im Kindesalter hilfreich sein, um neben der Medienkompetenz zum Beispiel den Erwerb von Gebärdensprache zu fördern. Beispielhaft dafür steht ein Filmprojekt einer Berliner montessori-orientierten Ganztagsschule, in dem ein Erklärvideo entstanden ist. Im Film liest ein Kind aus dem Kinderbuch „Elmar und die Farben“ vor, während das zweite Kind danebensitzend gleichzeitig die Farben in Gebärdensprache zeigt[6]. Medienprojekte können auch mit Erwachsenen umgesetzt werden. Mit dem Titel „Von allen für alle“ ermöglicht die Lebenshilfe Trier Erwachsenen mit Behinderung, aktiv an der Ausgestaltung der medialen Berichterstattung in Trier mitzuwirken, um die Medienlandschaft vor Ort inklusiver zu machen[7].

Inklusives Medienteam der Lebenshilfe Trier / Foto: Lebenshilfe Trier

Auf diesem Weg können Menschen mit Behinderung durch die aktive Nutzung und Ausgestaltung von Medien Selbstwirksamkeit erfahren[8], sich miteinander vernetzen und sich gegenseitig empowern. Die eigene Gestaltung von Medien hilft, die Prozesse hinter anderen Medienproduktionen zu verstehen. Erst dadurch sind Menschen in der Lage, Medien kritisch zu hinterfragen. Diese Fähigkeit wird als zentraler Baustein für demokratische und gesellschaftliche Prozesse und damit für die Teilhabe an denselben angesehen[9]. Da aktive Medienarbeit oft mit Gruppenprozessen einhergeht, werden parallel zur Medienproduktion auch immer die Persönlichkeitsbildung gefördert sowie soziale Kompetenzen wie Kommunikation und Interaktion mit anderen sowie die aktive Teilnahme an öffentlichen Kommunikationsprozessen geschult[10].

Damit leistet die aktive Medienarbeit einen wesentlichen Beitrag zur Inklusion und ermöglicht so, dass sich alle Teilnehmenden hinsichtlich ihrer individuellen Stärken und Interessen gemeinschaftlich in den Gruppenprozess einbringen können. Auf diesem Weg wird ein Lernprozess geebnet, bei dem alle voneinander und miteinander durch das aktive Ausprobieren lernen und zusammen, mit gegenseitiger Unterstützung, ein gemeinschaftliches Medienprodukt erstellen.

Auch edmedien setzt Medienkompetenzprojekte für Menschen mit und ohne Behinderung um. Mit dem SAEK mobil finden im Sommer 2019 gemeinsame Projekttage im AWO Wohnheim in Höfgen bei Grimma statt. Speziell an die Bedarfe der Zielgruppe angepasst entstehen neben Bild- und Tonaufnahmen vor allem eigene Geschichten aus den Lebenswelten der Teilnehmenden. Die Bewohner*innen nehmen Fotos mit dem Tablet auf und versehen diese in einer App mit Musik und Sprache bzw. Text. Unter kompetenter medienpädagogischer Anleitung und Begleitung fertigen die Teilnehmenden ihre eigenen Filme/Animationen mit ihren eigenen Motiven an. Sie bestimmen, was fotografiert wird und welches Bild es in den fertigen Film schafft. Durch die leichte Bedienbarkeit der Tablets ist das Projekt auch für motorisch eingeschränkte Teilnehmer*innen geeignet.

Wenn Sie ebenfalls Interesse an (inklusiven) Medienprojekten haben, wenden Sie sich gern an den SAEK mobil. Mit Sitz in Döbeln sind die Kolleg*innen in ganz Sachsen aktiv.

 

[1] https://www.medienkompetenzportal-nrw.de/grundlagen/handlungsfelder/inklusion.html
[2] Antener, G. (2015). Einfach surfen? Internetzugang für Menschen mit geistiger Behinderung. In Domenig, D. & Schäfer, U., Mediale Welt inklusive! Sichtbarkeit und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in den Medien. Zürich: Seismo
[3] Bosse, I. (Hrsg.) (2012). Medienbildung im Zeitalter der Inklusion. Düsseldorf: LfM
[4] Schaumburg, M. (2010). Medienpädagogische Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung –Eine methodische Anleitung für die Praxis. In Heilpädagogik online 1/10, S. 5-18
[5] Bosse, I. (2013). Keine Bildung ohne Medien! Perspektiven in der Geistigbehindertenpädagogik. In Teilhabe, 1,S, 26-32
[6] https://service.bzga.de/pdf.php?id=56617d7ccca492ea84edb0d91dda1517
[7] https://www.lebenshilfe-trier.de/projekte/inklusives-medienprojekt/
[8] Schluchter, j.-R. (2015). Medienbildung als Perspektive für Inklusion. Modelle und Reflexionen für die pädagogische Praxis. München: kopaed
[9] Schnaak, T. & Böhmig, S. (2012). Inklusive Medienpädagogik –was ist das? In Landearbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit NRW (Hrsg.), Materialien für die Inklusive Medienpädagogik (S. 17-21). Duisburg: Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit NRW
[10] https://www.insos.ch/assets/Downloads/Internet-Praesentation-Reber.pdf