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Fake-News in der medienpädagogischen Betrachtung, Part II

Das Internet ist längst zur zentralen Plattform für Kommunikation und Meinungsbildung geworden. Vor allem Kinder und Jugendliche profitieren von diesem Medium, das ihnen in so kurzer Zeit und mit wenig Aufwand eine Antwort auf ihre Fragen liefert. Mit der gestiegenen Anzahl an Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung im Netz steigt auch die Anforderung, Quellen auf ihre Verlässlichkeit zu prüfen und sie entsprechend einzuordnen. Medienkompetenz ist gefragt.

Dass die Einordnung von Quellen Kindern, Jugendlichen und auch jungen Erwachsenen nicht ganz leicht fällt, wurde zuletzt durch eine US-Studie der Stanford History Education Group vom November 2016 deutlich: Aus der Untersuchung geht hervor, dass es Schüler*innen und Student*innen sichtlich schwer fällt, Informationen aus dem Internet richtig einzuordnen und Werbung von fundierten Nachrichten zu unterscheiden. Auch konnten sie nicht begründen, warum bestimmte Inhalte eine kritischere Betrachtung erfordern. Um Kinder und Jugendliche für einen kritisch-hinterfragenden Umgang mit der Vielfalt an Informationen im Netz zu sensibilisieren, lassen sich zahlreiche Angebote zum Thema Fake-News finden. Denn neben dem Wunsch nach Aufmerksamkeit, Likes und Retweets versuchen speziell politisch extreme Gruppierungen mittels Falschmeldungen, die sie über Soziale Netze verbreiten, Ängste und Vorurteile zu schüren und andere Nutzer*innen damit zu manipulieren. Mit den folgenden Angeboten können Eltern und insbesondere Pädagog*innen gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen trainieren, Anzeichen von Fake-News zu erkennen, Gefahrenpotentiale zu identifizieren und sich in Diskussionen kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen.

  • Webseiten wie Mikama.at, das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg oder auch das als Video aufbereitete „Fake-Tutorial“ bieten einen Leitfaden zum Erkennen von Fake-News. Suchen Sie sich Beispiele für seriöse Nachrichten und Falschmeldungen heraus und arbeiten Sie gemeinsam mit den Kindern bzw. Jugendlichen die einzelnen Punkte durch. Wie wirkt der Beitrag auf den Leser bzw. die Leserin? Welche Emotionen löst er aus? Was macht die Quelle glaubwürdig oder zweifelhaft? Binden Sie auch Hilfsmittel wie Hoaxmap und Tineye in Ihre Suche mit ein.
  • Die Plattform „So geht Medien“, die sich an interessierte Kinder und Jugendliche richtet, greift medienrelevante Inhalte auf und verpackt diese jugendgerecht. Es handelt sich dabei um eine Seite, die von ARD, ZDF und Deutschlandradio initiiert wurde und die mittels Videos, Audiobeiträgen und interaktiven Angeboten die Welt und Funktion der Medien erklärt. Zum Thema Fake-News haben die Macher*innen ein informatives Video auf YouTube hochgeladen, in dem der Reporter einer Falschmeldung nachgeht. Dabei versucht er herauszufinden, wie ein Hoax entsteht und welche Emotionen das bei den Leser*innen hervorruft. Die Gespräche mit Polizei, einem Fake-News-Verbreiter und Betroffenen sind informativ und verständlich aufbereitet. Auch wenn das Ende für den Reporter unbefriedigend ist, so wirft es beim Zuschauer dennoch viele Fragen auf. Ein guter Ansatz für eine Diskussion und den gegenseitigen Austausch von Gedanken.
    Ein Vorschlag zur Unterrichtsgestaltung lässt sich ebenfalls dort finden. Neben einem zeitlichen und inhaltlichen Überblick zum Ablauf werden wichtige Diskussionsfragen aufgeworfen und Anregungen zum Versuch gegeben, eine eigene (harmlose) Falschmeldung zu erstellen und die Auswirkungen auf andere Nutzer*innen zu beobachten. Das zum Themengebiet aufbereitete Material kann für die Fächer Deutsch, Ethik und Sozialkunde (Klasse 8 bis 10) verwendet werden.
  • Für Lehrer*innen bietet das Schulportal für Verbraucherbildung auf seiner Webseite kostenloses Unterrichtsmaterial für Schüler*innen ab der dritten Klasse, um sich mit dem Thema Fake-News intensiv auseinanderzusetzen. Neben Informationstexten zu Suchmaschinen, Online-Quellen, Bildmanipulation und Möglichkeiten zum Erkennen von Falschmeldungen, bietet das Heft praxisnahe Beispiele zur Übung. Die Schüler*innen werden dabei zur Selbstreflexion angeregt und Kompetenzen im Umgang mit Inhalten aus dem Internet gezielt geschult.
  • Die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung stellt auf ihrer Internetseite Arbeitsmaterialien für das Fach Gemeinschaftskunde (Klassenstufen 9 bis 10) bereit. Die am sächsischen Lehrplan orientierten Inhalte sind in ausführlichen Verlaufsskizzen aufbereitet und umfassen jeweils eine Unterrichtseinheit (45 Minuten). Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler zur Reflexion des eigenen Medienkonsums anzuregen, selbstständig Kriterien zur Einschätzung von Nachrichten und Qualitätsmedien zu erarbeiten und diese anschließend praktisch anzuwenden.

Die genannten Hilfsmitteln und Unterrichtsmaterialien stellen natürlich nur eine Auswahl dar und können auch als Anregung für eigene Ideen und Überlegungen genutzt werden. Denkbar wäre beispielsweise ein Vergleich zweier oder mehrerer Medien, wie etwa Print und Online. Das Thema Fake-News bietet damit vielfältige Möglichkeiten für medienpädagogische Projektarbeit. Als Praxispartner steht edmedien für die Vorbereitung und Durchführung solcher Projekte gern zur Verfügung.

Teil 1 zum Thema Fake-News

Text: Nicole Cruschwitz