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Fake-News in der medienpädagogischen Betrachtung, Part I

Der Papst stärkt Trump den Rücken im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft, Jim Carrey verstirbt im April vergangenen Jahres ganz unerwartet und Elvis wird beim Schlendern durch den Supermarkt gesichtet: Fake-News wie diese durchwanderten 2016 neben vielen anderen das Netz. Besonders gegen Ende des vergangenen Jahres häuften sich die vom US-Wahlkampf geprägten Falschmeldungen und zeigten damit, wie leicht sich Behauptungen über Soziale Medien verbreiten lassen.
Aber nicht nur in den USA, auch in Deutschland gab es vermehrt politisch motivierte Fake-News, die sich auf angebliche Ereignisse mit Geflüchteten konzentrierten. Besonders Plattformen wie Facebook sind davon betroffen, da Inhalte, die dort verbreitet werden, keiner Prüfung des Wahrheitsgehalts durch die Betreiber unterzogen werden.
Getarnt als seriöse Information werden Halbwahrheiten, Lügen oder Gerüchte so ohne kritisches Hinterfragen geteilt. Speziell für Jugendliche, die die Sozialen Medien neben Google und YouTube als zentrale Informationsquelle nutzen, um sich über das aktuelle Tagesgeschehen zu informieren, wird daher ein kritischer Umgang mit den angebotenen Inhalten immer wichtiger. Für medienpädagogisch Tätige stellt sich die Frage, wie sie Jugendliche zu einer Reflexion über Nachrichten und deren Qualität anregen und ihnen Recherchekompetenzen vermitteln können. In einer zweiteiligen Serie sollen daher an dieser Stelle Ansätze und Konzepte zum Umgang mit Fake-News bzw. dem kritischen Umgang mit Informationen im Allgemeinen vorgestellt werden.

Mittlerweile lassen sich zahlreiche Hilfsmittel und Webseiten im Netz finden, anhand derer sich Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen lassen oder die Leitlinien bereitstellen, an denen man sich als kritischer Konsument von Social-Media-Kanälen orientieren kann. Im Folgenden sind die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Leitfaden zur Erkennung von Falschmeldungen

Die schnelle Verbreitung von Falschmeldungen ist maßgeblich auf mangelnde Recherche zurückzuführen. Die österreichische Seite zur Bekämpfung von Internetmissbrauch Mimikama hat dazu eine übersichtliche Liste mit fünf Punkten zusammengestellt, die Nutzern dabei helfen soll, Inhalte aus dem World Wide Web selbstständig zu hinterfragen und auf Authentizität zu prüfen.
Darunter zählen grundlegende Fragen wie:

  • Welche Reaktionen löst das Gelesene in mir aus? Bin ich geschockt? Ängstlich? Wütend? Denn Falschmeldungen gelingt meist genau das: gezielte Provokation durch überspitzte und reißerische Aussagen. Besonders bei kontroversen Themen wie politischen Entscheidungen, Wahlkämpfen oder der Flüchtlingsdebatte dienen Fake-News dazu, Angst, Unsicherheit und Hass zu schüren.
  • Woher stammen die Informationen? Um nicht auf einen Fake-Account hereinzufallen, bieten Plattformen wie Facebook und Twitter ein Symbol zur Verifizierung offizieller Seiten: einen blauer Hintergrund mit weißem Häkchen.
    Werden Artikel hingegen mit direktem Verweis auf eine Webseite geteilt, hilft oftmals auch schon ein Blick auf das Impressum: Aus Haftungsgründen ist, bis auf wenige vereinzelte Ausnahmen, jeder Betreiber einer Seite dazu verpflichtet, eine Kontaktmöglichkeit anzugeben. Ist dies nicht der Fall, stellt sich die Frage, welche Gründe der Inhaber hat, seine Identität nicht preiszugeben.

Auch Informationen zum Autor können wichtige Indizien bereitstellen: Ist der Verfasser ein bereits bekannter Redakteur? Welchen Hintergrund hat er? Wird der Inhalt objektiv aufbereitet oder lässt sich Parteilichkeit erkennen?

Zusätzlich lassen sich über die Suchmaschinen wie Whois und Denic Angaben zu verantwortlicher Person, Ort und Zeitpunkt der Registrierung einer Domain einholen.

  • Was steckt hinter der Fassade? Lassen Sie sich nicht von der Optik täuschen. Eine Internetseite, deren Auftritt auf den ersten Blick professionell erscheint, kann dennoch fragwürdige Inhalte aufweisen.
  • Welche Hilfsmittel kann ich nutzen? Egal ob Google, Duckduckgo, Bing oder Yahoo – mithilfe einer gezielten Suchanfrage lässt sich schnell feststellen, ob unglaubwürdig erscheinende Beiträge von anderen populären Nachrichtenportalen aufgegriffen wurden. Das kann bereits einen ersten Hinweis auf den Wahrheitsgehalt der Meldung liefern. Oftmals zeigt sich bereits in einer Online-Recherche, ob genannte Personen bzw. Institutionen überhaupt existieren oder ob es sich dabei um reine Fiktion handelt.

Suchmaschinen sind aber nicht nur für Texte ein aufschlussreiches Hilfsmittel, sondern lassen sich auch bei Bildern einsetzen. Über Datenbanken wie TinEye lässt sich beispielsweise erkennen, wo und wann ein Bild bereits verwendet wurde. Dabei ermittelt die Suchmaschine anhand der Bild-URL aus einem Pool von über
17 Millionen Bildern passende Ergebnisse. Zeigt sich, dass die Aufnahme bereits mehrere Jahre zurückliegt oder in einem ganz anderen Kontext entstanden ist, ist dies ein Hinweis für mangelnde Aktualität.

Hoaxsearch und Hoaxmap

Weitere Tools zur selbstständigen Verifizierung von Online-Artikeln bieten die beiden Suchmaschinen Hoaxsearch und Hoaxmap. Bei Hoaxsearch handelt es sich um eine Plattform, die potenzielle Fake-News aufgreift und diese recherchiert. Sollten sich die Inhalte als frei erfunden oder sinnentfremdet herausstellen, veröffentlicht die Webseite entsprechende Gegendarstellungen und Aufklärungsberichte, die die Falschaussagen entkräften. Dabei kann innerhalb der Datenbank sowohl nach Texten als auch Bildern gesucht werden. Hoaxsearch lässt sich wie eine gewöhnliche Suchmaschine bedienen, ist in ihren Ergebnissen, die Falschmeldungen außerhalb des deutschsprachigen Raumes betreffen, allerdings noch ausbaufähig. Hier knüpft jedoch das amerikanische Pendant der Seite an, Hoax-Slayer. Die Verwendung einer oder beider Plattformen liefert dem Nutzer einen ersten Impuls, um den Wahrheitsgehalt bestimmter Nachrichten zu überprüfen und selbstständig einschätzen zu können.

Ähnlich ist das Prinzip der Seite Hoaxmap, die sich auf politisch geprägte Falschmeldungen spezialisiert. Hier werden primär Fake-News aufgegriffen, die sich auf Geflüchtete beziehen. Anders als die beiden bereits genannten Webseiten ist Hoaxmap in Form einer Karte aufgebaut. Die Städte sind mit einem Verweis auf die Anzahl der in diesem Raum ausfindig gemachten Fake-News versehen. Die Seite ist intuitiv, einfach und transparent gestaltet: Ein Klick auf eine der Falschmeldungen gibt das Datum der Veröffentlichung und die entsprechende Gegendarstellung in Form von Zeitungsartikeln oder Informationen durch die Polizei preis.

Hilfsmittel wie Hoaxmap, Hoaxsearch und Leitfäden soll Kindern, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen eine Orientierung geben, um Inhalte zu prüfen und sich im Informations-Dschungel zurechtzufinden. Denn für alle Altersgruppen, vom Kind bis hin zum Senior, ist es wichtig, sich mit dem schnell wandelnden World Wide Web medienkritisch auseinanderzusetzen.

Text: Nicole Cruschwitz

In Teil II werden Anfang April konkrete Methoden zur pädagogischen Auseinandersetzung mit dem Thema Fake-News vorgestellt.